Perspektive neuStart Chancen & Potentiale

Chancen & Potentiale

Für alle, die in den letzten Jahren aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland geflüchtet sind, ist der Zugang zu Arbeit von zentraler Bedeutung. Je schneller ihre Eingliederung in den Arbeitsmarkt gelingt, desto größer sind die Chancen der Integration auf allen sozialen Ebenen. Denn eine Erwerbstätigkeit ist entscheidend für Einkommen, Wohnen, angemessene Lebensverhältnisse, Motivation, soziale Kontakte, Spracherwerb, Sinnstiftung, Selbstwertgefühl und vieles mehr. Aber auch die Gesellschaft profitiert. Denn mit steigender Beschäftigung der Geflüchteten verbessern sich die Bedingungen für das Zusammenleben und gleichzeitig sinken die Kosten für die öffentlichen Haushalte.
Wissenschaftliche Studien bestätigen das Potenzial der Zielgruppe. Gerade bei Gründer*innen mit Fluchterfahrung wird ein hoch unternehmerischer Drang zur Unabhängigkeit beobachtet. Das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim hat für etwa die Hälfte von in Baden-Württemberg befragten Personen aus der Zielgruppe einen hohen Gründungswillen festgestellt. Migrant*innen mit Fluchterfahrung in Deutschland haben zudem häufig eine ausgeprägte Bildungsmotivation sowie Berufs- und Selbstständigkeitserfahrung.
Allerdings verfügt derzeit nur rund ein Drittel aller erwerbsfähigen Männer und ein Zehntel aller Frauen, die seit 2013 nach Deutschland geflüchtet sind, über einen Job. Dauerhafte Vollzeittätigkeiten sind noch seltener. Die niedrigen Beschäftigungsquoten werden nur langsam steigen, weil der berufsfachlich strukturierte deutsche Arbeitsmarkt zertifizierte Qualifikationen verlangt, die ein großer Teil der Geflüchteten (noch) nicht vorweisen kann. Allerdings besitzen viele Schutzsuchende Arbeitserfahrung und informelle Kompetenzen, die nicht ungenutzt bleiben sollten. Hinzu kommt, dass rund ein Drittel der Geflüchteten im Herkunftsland selbstständig tätig war.


Daher müssen Maßnahmen zur beruflichen Integration nicht nur auf Lohnbeschäftigung, sondern auf sämtliche Möglichkeiten zielen, die zu einer Erwerbsarbeit und damit zu allen weiteren Stufen sozialer Teilhabe führen. Der Weg in die berufliche Selbstständigkeit bietet Geflüchteten nicht nur die Möglichkeit, auf eigenen Beinen zu stehen. Unter bestimmten Bedingungen bieten Gründungen auch Chancen zum sozialen Aufstieg. Das Nettoeinkommen von selbstständigen Migrant*innen liegt im Schnitt höher als das abhängig Beschäftigter und sie fühlen sich zu höherem Anteil gesellschaftlich anerkannt. Zudem schaffen erfolgreiche Gründer*innen erfahrungsgemäß weitere Arbeitsplätze für Personen aus dem eigenen Kulturkreis und tragen damit zu einer Erhöhung der Beschäftigungsquote auch für niedriger Qualifizierte bei. 

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Möchten auch Sie sich gemeinsam mit anderen engagierten Akteur*innen aus dem Gründungsumfeld für die Belange von neuzugewanderten Gründer*innen mit (und ohne) Fluchterfahrung engagieren und Veränderungen anstoßen? - Dann laden wir Sie herzlich ein zur +++ ONLINE-KONFERENZ +++ Bündnis »Perspektive neuStart« - Konferenz zur Unterstützung von Unter-nehmer*innen mit Fluchterfahrung am 28. und 29. Oktober 2020.

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